Worte sind Leben …

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…und pure Magie, auch auf Deinem Weg. 

Einen ganz besonderen Wortzauber durfte ich am vergangenen Wochenende erleben.  Das Fernsehprogramm war grauenhaft und ich stöberte in unserer DVD Sammlung in der Hoffnung, wenigstens dort einen guten Film zu entdecken. Ich erinnerte mich an eine DVD, die bis dato unberührt im Regal stand. Etwas angestaubt und noch in der Originalverpackung fischte ich sie heraus und entschied, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt war,  „Die Bücherdiebin“ einzulegen…

sternenstaubUnd was für ein zauberhaftes Feuerwerk an Worten wurde mir als Wortmalerin präsentiert! Die Handlung des Films, der während des zweiten Weltkriegs in einem kleinen Dorf in Bayern spielt, lebt von der Begeisterung des Mädchens Liesel für Worte. Für Worte, die wunderbare Geschichten erzählen und sie in eine andere Welt entführen, weit weg von den furchtbaren Schicksalen, die sie und ihre Familie begleiten. Das Streben nach einem umfangreichen und außergewöhnlichen Buchstaben-Schatz und das Lesen von Büchern werden zu ihrem großen Ziel und einer einzigartigen Passion.

Gemeinsam mit ihrem Pflegevater perfektioniert sie flüssiges Lesen und korrektes Schreiben. Eine kalte nackte Mauer im Keller, die sie mit dem Erlernten beschriftet, verwandelt sie mittels Kreide und Schrift in ein umfangreiches Lexikon und Wörterbuch. Das regelmässige Eintauchen in die Welt der Geschichten lässt sie nicht nur den schrecklichen Erlebnissen in dieser Zeit entfliehen, im Vorlesen von Texten erkennt sie eine besondere Möglichkeit, Liebe weiterzugeben. „Wenn deine Augen sprechen könnten, was würden sie sagen“, fragt Max, der jüdische Junge, den die Familie im Keller vor den Nazis versteckt. Für ihn ist es zu gefährlich nach draussen zu gehen und so beginnt Liesel mit ihren eigenen Worten zu „malen“. 26540292_1767253320015484_1608394425_oSie beschreibt in wunderbaren Bildern, wie die Sonne scheint oder der erste Schnee fällt. Als Max schwer erkrankt, liest sie ihm stunden- und tagelang vor. Die Kraft ihrer Stimme und die Magie der Worte lassen ihn am Ende gesund werden. „Worte sind Leben…“, sagt er und Liesel setzt alles daran, sich trotz den schwierigen Umständen und der Not im Dorf, immer wieder Zugang zu neuen Büchern zu verschaffen. Dabei entdecken auch andere Protagonisten Gefühle, Emotionen und die Liebe neu. Die Handlung spitzt sich dramatisch zu, am Ende aber überlebt Liesel. Schwer verletzt zieht sie nach einem Bombenangriff eines ihrer Bücher aus dem Trümmerhaufen des Wohnhauses. Es ist das Symbol für die Unendlichkeit, die Geschichten mit und in sich tragen…

Die Kritiken und Meinungen nach der Veröffentlichung des Films sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Mich hat der Film sehr berührt. Und wenn ich daran denke, wie oft mir als Kind selbst bei harmlosen Krankheiten vorgelesen wurde, dann verbinde ich damit ein einzigartiges Gefühl von Liebe und Geborgenheit. Als Wortmalerin möchte ich diese Emotionen bei meinen Lesern immer wieder neu entfachen. Jeder sollte sich mindestens einmal im Leben auf eine gute Geschichte eingelassen haben. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie selbst gelesen oder vorgelesen wird. Das Kopfkino öffnet dabei für jede Vorstellung seinen eigenen Vorhang…

Eure Wortmalerin

PS: Wer sich für das Buch interessiert, findet es im Original unter „The Book Thief . Es wurde von Markus Zusak geschrieben und erschien 2005 in Australien. Mittlerweile ist es in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Im März 2014 kam es als Film „Die Bücherdiebin“ bundesweit in die deutschen Kinos. Einen kurzen Trailer findet Ihr unterhttps://www.moviepilot.de/movies/die-buecherdiebin-the-book-thief

Sehn-suche nach der eigenen Kraftquelle

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2018- das (Arbeits-) Leben hat uns wieder. Lebkuchen und Stollenreste liegen  angetrocknet in den Blechdosen, ein paar einsame Mandarinen schrumpeln am Fensterbrett vor sich hin. Also nichts wie raus zum ersten spannenden Termin in diesem Jahr: Ich mache mich auf die Suche nach einer neuen Kraft-Quelle…

„Dieses Jahr wird alles anders“, denke ich optimistisch und daher arbeite ich aktiv daran, dass mir bereits der erste Monat in 2018 mit neuem Schwung und Elan begegnet. Ich mache ich mich auf und treffe Gudrun. Sie wohnt und arbeitet in Bad Feilnbach, also in der Nähe von Rosenheim. „Idyllisch, mit Blick auf den Wendelstein…“, denke ich mir, als ich am Parkplatz aussteige. Aber viel spannender ist ihr Beruf, der mich eigentlich zu ihr geführt hat. Unter dem orientalisch anmutenden Namen „Tzadé – Der goldenen Schnitt“bietet sie den Kunden in ihrer Haarheilkunde-Praxis allerdings viel mehr als das klassische Wissensspektrum. Selbstverständlich dreht sich bei ihr das Themenkarussell auch um Haare, Schnitt und Farbe.

Aber das, was mir Gänsehaut verschafft, sind die Geschichten aus uraltem überliefertem Wissen, die Gudrun für mich bereithält…

Ihr immenses Wissen über die Psycho-Physiognomie fasziniert mich, geht es dabei doch um eine Art Schlüssel zur Menschen- und Selbsterkenntnis. Unter anderem über die Betrachtung von Gesichtszügen und die persönlichen Merkmale einzelner Personen, offenbaren sich Eigenarten, Talente, Neigungen und somit auch Potentiale und Fähigkeiten des Gegenübers. Man sieht den Mitmenschen mit völlig anderen Augen. Ich erfahre auch, dass bereits Hippokrates dieses Wissen als Teildisziplin der Medizin eingesetzt hat und frage mich, warum ich nicht schon eher davon gehört habe.

17204108_1408724155868404_1494610533_nAber Gudrun setzt noch etwas drauf, womit sie bei mir als Wortmalerin die eh schon sprichwörtlich weit geöffneten Türen nicht mehr nur einrennt , sondern fast aus den Angeln hebt. Unser Gespräch nimmt weitere Fahrt auf… Ich höre zum ersten Mal in meinem Leben etwas über die Kabbalah – Die Buchstaben des Lebens! Für mich als Laien erklärt Gudrun in einfachen Worten, dass „die Kabbalah eine spezielle uralte metaphorische Sprache ist und eine fundierte überprüfbare Lehre“, wie sie auch auf ihrer Webseite schreibt.

„Es handelt sich um inneres Wissen, um die Weisheit des Herzens“, sagt sie und große Ehrfurcht steigt in mir auf. Ich erfahre, dass jedes einzelne der 22 Schriftzeichen eine tiefere Bedeutung hat und wer sich tiefergehend mit diesem Wissen befasst, wird, wie Gudrun zum Abschluss unserer Gesprächs beschreibt, „Ruhe im Herzen, Glück im Geist und Freude in der Seele erfahren.“

Stundenlang könnte ich noch zuhören aber der nächste Kunde klingelt bereits an der Tür. Was für ein Geschenk war dieser Termin, den ich ursprünglich nur aus reiner Neugier vereinbart hatte. Auf der Sehn-suche nach einer besonderen Kraftquelle, durfte ich einen kleinen Einblick in eine wunderbare Welt werfen. Eine Welt, in der Buchstaben, Zeichen und Worte eine einzigartige Wortpalette eröffnen, die nicht nur Informationen, Geschichten oder Botschaften vermittelt, sondern ebenso den Weg zur eigenen Kraft aufzeigt.

25438888_1605827226122745_7985880696596913833_oSo wunderbar eindrucksvoll geht also heute meine Reihe der Wortpalette an den Start. Ich hoffe, ich konnte Euch ein bisschen begeistern mit den Wundern dieser Welt, die einem so unverhofft begegnen. Ich freue mich darauf, wenn Ihr mich bald wieder in die Welt der Wunder und Geschichten begleitet!

Eure Wortmalerin

PS: Mehr Information zu Gudrun Rüdiger, Ihrer Profession und Leidenschaft erfahrt Ihr unter http://www.tzade.eu/

Zapfenstreich

Feiner Pulverschnee verzuckert die Landschaft und klirrende Kälte sorgt dafür, dass die gefrorenen weißen Kristalle Dörfer und Hügel in eine märchenhafte Schneelandschaft verzaubern.

Kaum jemand ist an diesem frühen Morgen unterwegs, als ein sportlicher junger Mann seine Skiausrüstung packt. Er möchte heute der einzige sein, der auf seinem Hausberg Spuren im Schnee hinterlässt. Noch fast im Dunkeln geht er los. Nach einigen Kurven, zweigt er am Felsblock oberhalb des Wiesenhangs ab, von wo er in regelmässigen Kehren nach oben steigt. Bald wird ihm warm und er schiebt die Ärmel seiner Jacke ein Stück hoch. Blasse Winterhaut zeigt sich zwischen Handschuhende und Anorakärmel. Es wundert ihn nicht, dass sich plötzlich die Haare auf seinem Arm aufstellen, es hat immerhin noch Minusgrade. Erst als sein Herz deutlich stärker zu klopfen beginnt, bleibt er stehen. Es breitet sich nun zusätzlich eine Gänsehaut von den Armen über seinen ganzen Körper aus. Eine dicke graue Wolke zieht auf und er sieht nach wenigen Sekunden keinen Meter mehr, so dichter Nebel umhüllt ihn. Die Schneedecke unter seinen Skiern vibriert, ächzend und donnernd teilt sich der Boden unter ihm, als wolle ihn der Berg verschlingen. Er rutscht in die Tiefe, findet nirgendwo Halt, seinen gellenden Schrei hört dabei niemand. Spiralförmig stürzt er nach unten, Sekunden des Falles erscheinen ihm wie Stunden und er sieht sein Leben in Zeitlupe an sich vorüberziehen. „Das war`s dann wohl“, denkt er noch, dann prallt er mit dem Kopf auf.

Augenblicke später, kommt er benommen und mit dröhnenden Kopfschmerzen zu sich und versucht, sich aufzurichten. Etwas Feuchtes rinnt über sein Gesicht und am Haaransatz kitzelt etwas. Mit der Hand fährt er dort entlang und wischt kleine schwarze Ameisen weg, die von links nach rechts über seine Stirn marschieren. Vorsichtig öffnet er die Augen und blinzelt in grelles Sonnenlicht. Er sieht an sich hinunter – keine Spur von Winterkleidung. Im Gegenteil, er trägt ein weißes kurzärmliges T-Shirt und khakifarbene Shorts. Seine Füße stecken nicht in Skischuhen, sondern in poppigen Flipflops. Und die Tropfen stammen von einer Wasserflasche, die ein junges Mädchen direkt über ihm ausleert. „Ich hab Dir doch gesagt, dass Du feste Schuhe anziehen sollst!“, meckert sie. Kein Wunder, dass Du beim Fotografieren umknickst, wenn Du keinen Halt hast. „Jetzt sind sie gleich weg, wegen Dir!“

„Wer ist weg? Und wo sind meine Ski?“, setzt der junge Mann dagegen und erntet ein höhnisches Lachen. „Ski? Ich glaube, Du spinnst komplett! Lass das mit den afrikanischen Drinks, wenn Du sie nicht verträgst! Steh auf, wir müssen uns beeilen, der Jeep wartet!“ sagt sie und sprintet zu einem weißen Geländefahrzeug, das unter einem dürren Baum mit laufendem Motor offensichtlich auf sie wartet. Kopfschüttelnd und seine Glieder sortierend, rappelt er sich auf und versucht zu verstehen, was passiert ist. Sengende Sonne treibt ihm weitere Schweißperlen aus den Poren. Er klopft sich den Staub aus der Kleidung und sieht sich um. Tatsächlich liegt vor ihm die afrikanische Savanne und aufgeregt winkende Menschen machen ihm deutlich, dass er zu ihnen zum Auto kommen soll. Kopfschüttelnd trottet er los. Sein linkes Bein schmerzt höllisch und fast knickt er wieder um. Sein Zeh stößt an einen großen braunen Zapfen, der auf dem staubigen Boden liegt. „Einen Moment“, wirft er den anderen zu. „Das ist ein Tannenzapfen! Wie kann das sein? Es gibt hier doch nur ein paar vertrocknete Sträucher“, murmelt er und bückt sich, um danach zu greifen. Hörbar zieht er die Luft ein, als beim Aufheben die scharfe Kante der ersten Schuppenreihe einen tiefen Schnitt in seinen Finger zieht. Benommen geht er in die Hocke und steckt den blutenden Daumen in seinen Mund.

„Rote Farbe auf weißem Grund, wir sind doch nicht in Österreich! Du hast immer gesagt, dass blaues Blut in Deinen Adern fließt. Jetzt ist klar, dass das auf jeden Fall gelogen war! Komm her, ich habe ein Pflaster für Dich. Du versaust hier noch den wunderbaren weißen Schnee!“, schimpft die Stimme aus dem Off. Und wieder schlägt der junge Mann die Augen auf. „Ich muss zum Jeep, die warten auf mich“, flüstert er. „Jeep? Nein, da verwechselst Du was. Das einzige, wo Du hin musst, ist das Akja vor Dir. So wie es aussieht, hast Du unglaublich großes Glück gehabt. Wir haben Deinen Rucksack unterhalb des einzigen Felsens am Wiesenhang entdeckt, nachdem Dein Hund bei mir Alarm geschlagen hat. Anscheinend bist Du mit einem Schneebrett abgerutscht und hast Dir den Kopf gestoßen. Daher das Blut und Deine wirren Gedanken. Das kommt davon, wenn man meint, alleine auf den Berg gehen zu müssen. Hätte Dein Hund nicht zu Hause gespürt, dass etwas nicht stimmt und wäre Dir hinterher gelaufen, könnte es jetzt gut sein, dass Du statt in einem Jeep auf einer Wolke sitzt und von oben auf die Erde schaust!“. Der Mann von der Bergwacht, packt alles zusammen und bringt den jungen Sportler sicher ins Tal und nach Hause. Ein gebrochenes Bein und eine massive Gehirnerschütterung werden in den nächsten Tagen dafür sorgen, dass sich malerische Bilder des europäischen und afrikanischen Kontinents höchstens auf dem Display seines Handys und im Fernsehen zeigen.

Obwohl, wer weiß das schon so genau. Seit diesem Vorfall mehren sich Aussagen darüber, dass Wissenschaftler eine seltene Ameisenart in den bayerischen Voralpen entdeckt haben. Parallel schwärmen Botaniker in Tansania und Kenia von einer neuen Pflanzenspezie. Eine überaus robuste, wasserspeichernde und tannenzapfenähnliche Frucht macht dort Furore und wird in speziell dafür ausgewählten Plantagen gehegt und gepflegt. Wie man erzählt, soll sie den Namen Pinecone Prank, dtsch. Zapfenstreich, tragen…

Die Wortmalerin

Fotos: Sonja Lehmann, Unsplash, Patrick Hendry 473253,