Lana – eine Hundeliebe schenkt Achtsamkeit

lanainstagrammIch bin hier….

Sie stand hinten links, mit dem schmalen Rücken an die Außenwand des Holzverschlags gedrückt und klopfte ganz zart mit dem noch etwas zerzausten Schwanz an die rauen, verwitterten Bretter. All ihre Geschwister waren bereits zur halbhohen Klapptür geprescht , drängelten und schubsten sich gegenseitig nach vorne und veranstalteten einen ordentlichen Rabatz, um auf sich aufmerksam zu machen. Lana hingegen bliebt wie angewurzelt dort hinten stehen und schaffte es alleine durch ihren Blick, dass ich wie gebannt auf genau diesen Hundewelpen starrte. „Den da hinten will ich“, sprudelte es mir heraus, ohne zu wissen ob nun ausgerechnet dieser Hund wirklich ein Weibchen war, was ich mir immer gewünscht hatte, ob er schon vergeben war oder ob es sonst einen Einwand geben könnte. „Des is aber a Krückerl, nimm doch lieber den da,“ entgegnete mir der Züchter vehement und zeigte auf einen deutlich größeren Welpen, der Marke „Hier bin ich und ich bin der Chef“, „die da hinten hat`s gerade noch so geschafft, sie ist die letzte von elf Hundewelpen, die ihre Mutter zur Welt brachte und schwächelte schon, da war sie kaum ein paar Minuten auf der Welt. Wahrscheinlich wäre sie in der Natur sowieso gleich eingegangen“, ergänzte er schonungslos ehrlich. „Und genau deswegen muss sie jetzt zu uns“, erwiderte ich trotzig und achselzuckend stieg er über die Schwingtür, zog eine kleine Haushaltsschere aus seiner blauen Latzhose und schnitt einen ordentlichen Haarbüschel hinter dem Ohr ab. Er ging auf Lana zu, die sich, jetzt deutlich noch mehr verschüchtert an die Wand drückte, hob sie mürrisch hoch, zeigte sie mir nochmal von allen Seiten und sagte:“ Also von mir aus, hier stecken`s die Haare ein. Die können Sie schon mal mitnehmen, dann ham´s was zum Hinschnuppern bis Sie in 2 Wochen den Hund abholen. Ich weiß dann schon, dass es der sein soll aber ob`s da wirklich so a Freid ham…aber mir isses ja egal. Hauptsache, Sie zahlen bei Abholung.“

Nimm mich mit…

Ich nahm Lanas Haarbüschel, steckte es vorsichtig in meine Jackentasche und nickte. „Ja klar, ich hole den Hund in 14 Tagen ab. Passen Sie gut auf ihn auf“, ergänzte ich noch. Ich versuchte Lana doch noch zu mir an den Verschlag zu locken aber vorsichtig wie sie bis heute noch ist, blieb sie unbeirrt stehen, wandte den Blick aber keine einzige Sekunde von mir ab. So als wollte sie mir zu verstehen geben, dass es jetzt eine abgemachte Sache sei und sie nur die nächsten beiden Wochen absitzen musste, Kraft tanken wollte, dann würde alles gut werden. Ich nickte ihr zu und dachte:“ Hey, das schaffst Du! Ich hole Dich bald ab, dann gehts ab zu uns nach Hause und Du wirst ein warmes, sicheres Plätzchen haben und Menschen finden, die Dich als ein neues Familienmitglied aufnehmen und beschützen werden.“

Die nächsten Tage vergingen mit den letzten Vorbereitungen für Lanas Einzug wie im Flug und gleichzeitig wuchs die Aufregung, sie endlich nach Hause zu holen. Die Hundehaare hatte ich in eine kleine Glasdose gelegt und ab und zu schnupperte ich daran, um auf keinen Fall zu vergessen, dass es bald eine neue Hunde-Wirklichkeit geben würde. An einem sonnigen Wochenende im Herbst war es dann soweit! Nach einer gut 2-stündigen Autofahrt, die mich auf kurvigen Straßen tief in den bayrischen Wald führte, kam ich endlich beim Züchter an. Als dann die Formalitäten erledigt waren, legte ich dem schmalen, kleinen Hundehals sein erstes Halsband an. Es war leuchtend rot und bot einen tollen Kontrast zum pechschwarzen Fell. Ein bisschen groß war es vielleicht noch aber das würde sich ja bald geben. Lana stand mit zittrigen Beinchen vor uns, allerdings spürte sie genau, dass jetzt wohl endgültig der Abschied von ihren Geschwistern bevorstand und sie den Holzstadl verlassen durfte. Sie hatte es sich mittlerweile schwanzwedelnd zwischen meinen Beinen gemütlich gemacht hatte, so als wollte sie darunter Schutz suchen und versichern, dass die Entscheidung nun getroffen und gut war. Lana gehörte ab sofort zu mir!

Ich hob sie hoch und ein kuschliges Hundebaby schmiegte sich in meine Arme und begann meinen Handrücken genussvoll mit der warmen Zunge abzuschlecken. Menschen, die Hunde lediglich als Flohtaxis und Schmutzschleuder bezeichnen, werden niemals in den Genuss kommen, diese Vertrautheit zwischen Mensch und Tier zu erkennen. Wie dankbar war ich, den kleinen weichen Körper unter den noch hervorstehenden Rippenbögen zu spüren, das pochende Herz zu fühlen und das Gefühl zu erleben, wie sich der Körper eines Lebewesens entspannt, wenn zärtliche und beruhigende Streicheleinheiten diesen liebkosen. Lana kringelte sich in ein Frotteehandtuch, das ich vorsichtshalber auf meinem Schoß ausgebreitet hatte, tat einen tiefen „Schnaufer“ wie man in Bayern sagt, schloss ihre Augen und rührte sich während der zweistündigen Fahrt keinen Millimeter. Ihr Bäuchlein hob und senkte sich, grenzenloses Vertrauen und der untrügliche Schluss, dass nun alles gut werden würde, versetzten sie in einen tiefen Schlaf, aus dem sie erst wieder erwachte, als wir den Motor des Autos vor unserer Garage abstellten. Ich öffnete vorsichtig die Autotür, hob sie heraus und ließ sie über unser Pflaster tappen. Ausgiebig schnupperte sie über den Boden ihrer neuen Heimat und machte auf das kleine Rasenstück vor der Eingangstüre eine kleine gelbe Pfütze, sozusagen als Einstand und Manifestation zum Thema „ich bin die Lana und hier bin ich daheim!“

Ich ziehe bei Dir ein…

Die nächsten Tage und Wochen vergingen wie im Flug. Die Zeit, die ich mir für unseren Neuankömmling nahm, zahlte sich aus und schuf eine Basis, die Hundeprofis wohl als wichtige Prägungsphase bezeichnen. Sicherlich hilfreich war die Tatsache, dass der Grundcharakter des Hundes als überaus familientauglich und menschenbezogen zu bezeichnen ist. Niemals machte Lana etwas kaputt oder zerbiss Schuhe, Tapetenwände, Kissen oder ähnliches, wie es oft bei anderen Welpenbesitzern zu hören ist. Mit einem Urvertrauen in uns, wartete sie schon von Anfang an geduldig, wenn der Menschenfreund für eine gewisse Zeit das Haus verließ oder in einem anderen Zimmer zu tun hatte. Einen gigantisch großen Gleichmut legte Lana dann an den Tag, wenn es darum ging, gut gemeinte Tätscheleien und oft auch ungelenkes Streicheln von Kindern zu ertragen, sei es weil neugieriger Besuch bei uns war oder auf der Straße die Passanten in ein hysterisches „Mein, ist der Süß! Darf ich den streicheln ?“  die Hand nicht von ihr lassen konnte. Niemals schnappte sie nach Händen oder Fingern, allerdings lernte ich bald ihr Verhalten zu lesen, wenn es einfach zuviel wurde. Sie wand sich unter kraulenden Händen, rettete sich wie bei unserer ersten Begegnung zwischen meine Beine oder verließ einfach das Zimmer, wenn ihr die Gefühsbezeigungen zuviel wurden. Kein Bellen oder Knurren wurden als Abschreckung eingesetzt, im Gegenteil. Ich war beim Napfeinfüllen für Ihr Abendessen als sie schwanzwedelnd und etwa 3 Monate alt, neben mir in der Küche stand. Plötzlich kam ein Geräusch von unten, dass zunächst Ähnlichkeit mit einem Hustenanfall hatte. Aber nein ! Es war Lanas erster Bellversuch! Selbst zutiefst erschrocken, was da ihrem Mäulchen entfleuchte, probierte sie es weitere ein, zwei Male. Und siehe da, wie bei einem Kind, das die ersten Worte versucht zu sprechen, gelang nach ein paar Anläufen ein schon recht ordentliches „Wuff“! Sichtlich erfreut über sich selbst, hakte Lana das Erlernte zunächst erst einmal ab, brachte es aber in den nächsten Wochen zur absoluten Professionalität, wenn es bei uns an der Haustür klingelte. Bis heute habe ich es nicht geschafft, diese Funktion umzulenken, beschloss aber über die Jahre, dass das auch nichts schaden könne, wenn bei Fremdklinglern ersteinmal drohendes Hundegebell zu hören ist. Dass das Tier sich eigentlich freut wie Bolle, weil Besuch kommt, kann man dann ja immer noch nach dem Öffnen der Tür vermitteln. Und die Tatsache, dass der Hund wohl eigentlich froh ist, wenn ihm niemand etwas tun will, muss man auch nicht an die große (Haus-)Glocke hängen…

Ich lebe mit Dir…

Alles in allem wuchsen wir in den folgenden Jahren immer enger zusammen. Die Freizeitgestaltung richtete sich nach möglichen Spazierwegen und spannenden Hundewiesen, lange Partynächte wurden in geselliges Beisammensein bei uns zu Hause verwandelt und das höchste Glück für unser neues Familienmitglied war, wenn sie einfach überall dabei sein durfte, was Dank ihrer unerschütterlichen Ruhe kein Problem war und ist. Mir wurde zunehmend bewusster, wie entspannend es ist, in der wenig wasserführenden Mangfall bei großer Hitze im Wasser und nicht am Ufer ein Stück zu laufen. Zu spüren, wie die Zehen eiskalt werden, wenn man sich nicht vom Fleck rührt, wie es jedoch wunderbar kribbelt, wenn man auf den kleinen Kieselsteinen ein Stück läuft. Was für ein wunderbares Gefühl es ist, sich die Füße erst am Sand trockenzulaufen und sich anschließend in der Wiese nebenan die Grashalme durch die Zehen zu ziehen. Wäre mein Lendenwirbel damit einverstanden, hätte ich über die Jahre auch versucht, mich auf den Rücken ins Gras zu legen und zwischen Maulwurfshügeln und Klee meinen Rücken zu schuppern. Ein tiefes Seufzen habe ich wieder schätzen gelernt, wenn einem die Sonne auf den Bauch scheint, die Augen im grellen Sonnenlicht zwinkern und die Lungen sich tief öffnen und ich die klaren Luftströme einatme, die in unserer wunderbaren Landschaft völlig kostenlos zu inhalieren sind. Die Natur zu spüren, egal ob an einem warmen Sommertag oder im Herbst mit den Füssen im gelbem Laub zu rascheln – all dies hat unser  Universum täglich im Angebot. Dies ganz bewusst LanaAutoanzunehmen, lernte ich vor allem in den Spaziergängen  mit Lana. Sogar das genüssliche Verspeisen eines Apfels, der gerade eben vom Baum gefallen war, teilte ich ab und zu mit unserem Hund. Wissenschaftler, Heilpraktiker und Ärzte empfehlen den regelmäßigen Kontakt mit der Natur, geschäftige Coaches bietet teure Naturseminare an , in denen wir genau dieses Erlebnis wieder erlernen sollen. Ein Hundebesitzer erhält dazu täglich die Chance immer neu. Aber auch „Danke“ zu sagen, für all die wunderbaren Dinge, die um uns herum existieren. Ausser vielleicht, wenn man nachts um drei Uhr bei Regen und acht Grad in die klammen Gummistiefel schlüpft, sich die gefütterte Jeansjacke des Ehemanns über den Pyjama zieht und mit klammen Fingern draussen in der einen Hand den Schirm und in der anderen die zu füllenden K…tüte hält, weil der Hund Durchfall hat. Dann braucht es was mehr Euphorie, dem nächtlichen Luftschnappen etwas Positives abzugewinnen. Aber nichts desto trotz hat es etwas Wunderbares, dann die eiskalten Füße bei der Rückkehr ins Bett dem Ehemann zwischen seine Waden zu schieben, damit auch er noch etwas von der gesunden Nachtluft hat….

Was wirklich wichtig ist…

In den Medien ist das Thema Achtsamkeit sich und anderen gegenüber, zur Zeit sehr präsent. Wenn man aber täglich mit dem treusten Freund an seiner Seite durchs Leben geht, bedeutet es die Grundlage für ein wunderbares Miteinander, das immer und immer wieder neu fordert, sich selbst zurückzunehmen, zu reflektieren wo die wirklich wichtigen Dinge passieren. Wie oft verletzt man, vielleicht auch unwissentlich, andere Menschen, schiebt Ausreden vor, um unangenehmen Terminen  auszuweichen und lehnt Einladungen ab ohne genau zu wissen, was man daraus lernen könnte. Das uneingeschränkte Vertrauen meines Hundes hat mich gelehrt ehrlich und neugierig immer wieder meine eigenen Befindlichkeiten zu hinterfragen, auf Menschen zuzugehen und sich zu öffnen für Neues. Erst das Wissen, mit sich selbst im Reinen zu sein, schafft die Voraussetzung Dankbarkeit und Liebe zu erfahren. Ich schöpfe daraus Kraft bei täglichen Kleinigkeiten aber ganz genauso bei anspruchsvollen Herausforderungen, die das Leben für einen bereithält. Bereits die beschriebene erste Kommunikation mit meinem Hund leitete mich an, gute Gedanken und  liebevolle Wünsche auszusenden, positiv zu denken und damit diese Kraft auf andere zu übertragen, getreu dem Motto der Resonanz, dass alles, was man aussendet, zu einem zurückkehrt.

Lana-PorträtAls Lana jeweils zweimal nach großen lebensbedrohenden Operationen kurz davorstand, über die Regenbogenbrücke zu gehen, versuchte ich mit all meiner Kraft, ihr genau diese positiven Schwingungen zu senden. Das Vertrauen in die Professionalität der Tierärztin bezweifelte ich keineswegs aber als mir nach den Anruf der Praxis vermittelt wurde, dass es durchaus eine sehr kritische Situation war, machte ich mich auf den Weg und verbrachte Stunden neben meinem Hund. Schlapp und mutlos hing sie an einer Infusionsflasche, schaffte es kaum den Kopf zu heben, nur ein leises Klopfen mit dem Schwanz, zeigte mir, dass sie froh war, dass ich da war. Ich tat in den folgenden Stunden nichts anderes als einfach nur bei ihr zu sein, beruhigend zu streicheln und sie immer wieder zu bestärken, dass alles gut werden würde. Diesen Juli feierte sie ihren 10. Hundegeburtstag, völlig entspannt und glücklich, sich die Sonne auf ihr operiertes Beinchen und auf den Bauch scheinen zu lassen, den nun eine 15cm lange Narbe ziert.

Wie geht es weiter…

Lanas Hundeliebe wurde mir als ein kleiner Teil des großen Universums geschenkt. Dankbar arbeite ich weiter an mir, Achtsamkeit als Lebensmotto täglich neu zu manifestieren. Und dass treue Hundeliebe nur ein Vorbote der großen Liebe meines Lebens war und ist, ist ebenso unglaublich wie spannend  -aber das ist eine andere Geschichte….

Sonja Lehmann

Advertisements

M8 der Unendlichkeit…

DSC_1536

 

 

Numerologie Zahl 8In der Nummerologie steht die 8 als Symbol für das Leben nach dem Tod.

Sie gilt als die Schicksalszahl sehr zielstrebiger Menschen.

Das Symbol der Unendlichkeit habe ich an einer Hauswand im Süden entdeckt. Mich faszinierte das Bild, das wahrscheinlich über viele Jahrzehnte hinweg, entstanden ist. Die Ziffer, etwas verwittert zwar, trotzt immer noch dem Einfluss von Wind und Wetter, Sonne und Salz. Vielleicht seit Beginn des Hausbaus bis in unsere Gegenwart hinein. Quasi unverwüstlich bildet sie die Zahl ab, für die dieses Gebäude steht. Mit ihr identifizieren sich die Bewohner, Besucher orientieren sich im Gassenwirrwarr.

Faszinierend bleibt dabei, dass aber die meisten Menschen in diesem Fall der Zahl selbst nur wenig Aufmerksamkeit schenken. Ein kurzer Blick zur persönlichen Abstimmung, ein schnelles Augenzwinkern gegen das gleissende Sonnenlicht oder ein etwas angestrengtes Suchen in düsterer Abenddämmerung, zollen dieser Zahl nur bedingt die eigentliche „Acht“-samkeit.

Spuren vergangener Jahre zeugen in Mauerrissen und Löchern im Stein von äusseren Einflüssen. Angriffe auf die Substanz, kleine und große Verletzungen sind stumme Zeugen vergangener Lebensabschnitte. Nicht immer  war die Verteidigung in schwierigen Situationen erfolgreich und sichtbare Narben blieben zurück. Tiefe Gräben und scharfe Konturen berichten von Gegenwehr und Kampf, von Verlust und Niederlage. Wahrscheinlich reicht hier ein ganzes Menschenleben nicht aus, um all die Ereignisse zu erzählen, die dieses Bild geprägt haben.

All diese Beschreibungen und Eigenschaften lassen sich eins zu eins auf unser eigenes Leben übertragen . Somit symbolisiert dieses Foto die Zahl „8“ in einzigartiger Weise, sozusagen die „Macht der 8“. Die Unendlichkeit, die manche Menschen anzweifeln, ist mit diesem Foto präsent. Man muss nur etwas genauer hinsehen, wie so oft im Leben – auf die kleinen Dinge achten. Darüber nachzudenken ist ein erster Schritt der Eintönigkeit des Alltags und einer vermeintlich unergründlichen Unzufriedenheit zu entfliehen. Zielstrebigkeit steht dann nicht wirklich im Weg, sondern nimmt die Achtsamkeit für viele Dinge neu in das eigene Bewusstsein auf.  Ich durfte es bereits erleben, dass dieser Weg wirklich stark  m-„8“ . In der Liebe und im Leben. Und ich bin sicher, auch in irgendeiner Art unsterblich…

Sonja Lehmann