Ich sehne mich nach…

Sehnsucht – ein Wort, das so vieles bedeuten, so vieles meinen kann. Ist es denn eine Sucht, die uns beschäftigt oder nur die Suche nach einem Gefühl? Der Rückzug zu sich selbst gibt Antwort…

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Während der Wochen vor dem Weihnachtsfest bleibt kaum Zeit zur Ruhe zu kommen. Termine und dringende Aufgaben sollen erledigt und Treffen mit Freunden, Kollegen und Verwandten vereinbart werden. To-Do-Listen für On- und Offline Meetings versprechen Übersicht. Zielführend soll das sein, möglichst klar strukturiert. Aber für wen ? Für mein Gegenüber oder wirklich für mich selbst ?

Merken wir überhaupt, dass das Selbst zu kurz kommt ? Hören wir wirklich noch, was die eigene Stimme tief im Inneren sagt? Es lohnt sich hinzuhören. Meist ist es nur ein zartes Flüstern, das sich bemerkbar macht. Wieder und wieder versucht es Kontakt aufzunehmen. Es schickt kleine Botschaften in den Körper, der diese in Reaktionen verwandelt. Müdigkeit, Erschöpfung aber auch Wut und Zorn. Das Gefühl dauernd zu arbeiten und doch nichts zu schaffen. Das Hamsterrad taucht vor den Augen auf, in dem wir uns strampelnd und keuchend bis zur Erschöpfung bewegen.

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Und da taucht sie auf: die Sehnsucht. Plötzlich sehen wir Bilder von Meer und Strand, von Bergen und Seen und phantastischen Sonnenauf- oder -untergängen. Seufzend lehnen wir uns mit dem Schreibtischstuhl zurück, schließen die Augen und träumen uns an unsere Lieblingsorte. Wir erinnern uns an wundervolles Olivenöl, das triefend auf frische Weissbrotscheiben tropfte und an den Schluck Wein, der aus der steinernen Karaffe so herrlich schmeckte. Oder an den Duft der frisch gemähten Wiese, die auf dem Weg der letzten Bergtour des Sommers überquert wurde. Wir suchen uns Momente, in denen wir Glück empfunden haben. Wo nur der Augenblick zählte.

Ich sehne mich nach….

darf in diesem Moment genau der Satz sein, der uns hilft, eine kleine Auszeit zu nehmen. Eine Pause, die nur für uns allein bestimmt ist. Eine Unterbrechung, die uns blitzschnell Erholung schenkt, Glückshormone freisetzt und neue Kraft schenkt. Sehn-sucht als Ausdruck, neu und aus einem anderen Blickwinkel auf die Dinge zu sehen, die uns umgeben. Auf die positiven Dinge im Leben. Mit dem Fokus auf jene Augenblicke, auf die wir liebevoll zurückblicken und die sich jederzeit wieder neu manifestieren können. Wenn wir es zulassen.

 

Ich wünsche Euch eine wunderbar sehnsuchtsvolle (Vor-Weihnachts)-Zeit und neue Lust, sehnsuchtsvolle Momente zu entdecken.

Sonja Lehmann

Bunte Vielfalt begeistert – aber wer findet mich ?

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Es tut gut, sich in einer Gruppe geborgen zu fühlen und Nähe zu spüren. Es macht stark, gemeinsam etwas zu erreichen. ABER bleibt der Einzelne dann wirklich einzig-artig ? Ist er ein Puzzle im Großen und Ganzen oder gleichzeitig damit unsichtbar ?…

Einheitsbrei ist Realität

Neulich lief ich zur Pausenzeit an einer Schule in der Innenstadt vorbei. Ich warf kurz einen Blick auf die plappernde Menge im Hof und staunte. Ich staunte, denn die Mädels und Jungs schienen sich in einem kompakten Schüler-Schwarm zu bewegen. Die Kleidung, die Haare, die Gestik – offensichtliche Individualität fehlte. Ist Auffallen oder Provokation out ? Über die aktuellen Medien orientieren sich junge Menschen über Trends und Lifestyle. Und das auf allen Kanälen. Nachahmung und Kopie stehen hoch im Kurs, eigene Kreativität bleibt oft auf der Strecke. Ja, vielleicht ist der Lernprozess in ihrer Entwicklungsphase noch nicht abgeschlossen. Aber genau dieser Punkt will spätestens dann geklärt sein, wenn die jungen Leute sich aufmachen, um im Business ihre Frau oder ihren Mann zu stehen…

Der Schlüssel zur Lösung steckt

 

Der Schlüssel, sich von anderen Mitbewerbern abzuheben, passt in jene Türschlösser, die Raum für Individualität und Kreativität öffnen. Um auf dem hart umkämpften Markt und im Wettbewerb seinen Platz zu finden, spielen Einfallsreichtum, Phantasie und Ausdauer eine entscheidende Rolle. Gelingt es zusätzlich dem potentiellen Kunden durch Besonderheiten im Gedächtnis zu bleiben, dann stehen die Chancen gut, sich wirklich abzuheben. Aber wie soll das gehen ? Der Irrglaube, dass der Weg dahin über Dumpingpreis und Aktionismus führt, ist teilweise weit verbreitet, er begeistert jedoch nur noch wenige Kunden.

 

Geschichten lassen Menschen strahlen

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Wenn also die Einzigartigkeit auf einem anderen Weg gezeigt werden soll, was bringt das eigene Licht dann zum Leuchten ? Was fällt Euch ein, wenn Ihr das Bild betrachtet ? Ja, es wurde in einem Café aufgenommen. Ja, da waren viele Leute und ja, sie unterhielten sich. Sie erzählten. Sie erzählten Geschichten. Und manche waren so gut, die erzählten sie ihren Freunden weiter. Und diese Freunde erzählten sie wieder weiter…Das heißt also, dass Menschen es immer noch lieben, wie bereits vor tausenden von Jahren, Geschichten zu hören und weiterzugeben. Es ist ein Urinstinkt, der immer noch vorhanden ist und der höchstes Potential in sich trägt, uns auch noch in der Zukunft weiter zu begegnen. Diese Erzählungen berichten von Menschen, ihren Bedürfnissen, ihren Träumen. Sie sind einzigartig in ihren Variationen und vermitteln doch stets das Menschliche in uns.

Erzählen, teilen, in Erinnerung bleiben

img_4658Unternehmer können genau dieses Potential nutzen, um sich auf dem Markt von ihren Mitbewerbern abzuheben. Mit regelmässig veröffentlichten Blog-Artikeln, die nach einem redaktionellen Konzept geplant und verbreitet werden, erreichen und berühren sie ihre Kunden. Verfasst in emotionaler Sprache und ausgestattet mit visuellen Texten bleiben sie im Gedächtnis, erzeugen Sympathie, wecken Interesse und bauen Vertrauen auf. Eine Information, die durch gutes Bauchgefühl ein Kopfkino auslöst – die vergisst so schnell niemand mehr. Und noch viel wichtiger: er wird es weitererzählen! Zunächst vielleicht mittels eigener Sprache, sicher und schneller jedoch auf den Kanälen in den sozialen Medien. Gelingt es über Wortmalerei und guten Content die Leser zu begeistern, erweitert sich der Radius der Information mittels einem perfekten Netzwerk schnell. Und der Inhalt bleibt. Veröffentlichungen können jederzeit wieder geteilt, bearbeitet, erneuert werden. Gute Geschichten erobern die Welt und bleiben in Erinnerung.

Wie seht Ihr die Sache mit der Wortmalerei ? Ich freue mich auf Euer Feedback!

Sonja Lehmann

 

 

 

Was ich Euch erzählen wollte…

IMG_2157…beginnt mit zwei Teilen. Ihr fragt Euch welche Rolle sie spielen und wann? Früher oder heute ? Innen und aussen? Privat oder geschäftlich?…

Mit-Anfang-50 Krise oder einfach nur abgestumpft – Ja, irgendwie passen all diese Attribute. In Wirklichkeit aber geht es darum, bestimmten Gefühlen, Inspirationen, Gedanken, die sich schon immer im Inneren eines menschlichen Geschöpfs tummelten , eine Chance zu geben, sich endlich frei und mit aller Kraft zeigen zu können. Das klingt  für manche Menschen nach Themen, die aus „der Spiri-Ecke kommen“. Viele von ihnen, die ich im Moment treffe, beschwören jedoch sehr gerne und ausführlich  die „alten Zeiten“ und klagen darüber, dass Zeit und Business sie lähmen, ja den Sinn des Lebens in Frage stellen. Nur die Midlife-Crisis oder generell wachsende Unzufriedenheit ? Ein Gefühl , das auch Euch nicht unbekannt ist ? Dieses nicht genau zu definierenden Umbehagen, dass das „doch nicht alles gewesen sein kann“. Nur – eine wirkliche Veränderung bleibt oft aus Angst vor Neuem, der Bequemlichkeit ausgetretene Wege aktiv zu verlassen und sich mit gesunder Neugier an unbekannte Situationen zu wagen, ein Wunsch des Gedankens.

Es geht auch anders – Die Spannung neue Erfahrungen zu machen ist aufregend. Belebend. Inspirierend. Es zaubert ein Lächeln auf die Lippen. Denn diese Seite, die irgendwo zwischen Kindheit, Teenagerzeit und Erwachsenenleben zurück in eine dunkle Ecke gedrängt wurde, darf durch einen kleinen Spalt blinzeln. Er verschafft  Zugang zu Helligkeit, Fröhlichkeit und letztendlich dem wunderbaren Leben an sich. Vitalität, Neugier, Antriebskraft beleben Körper UND Geist. Fordern Optimismus heraus und bugsieren Schwere, Dunkelheit und Passivität in den Hintergrund. „Schon klar,die redet sich leicht“, höre ich jetzt die ersten kritischen Stimmen aber in jedem von uns steckt so viel an Potential, dass es sich auf alle Fälle – in einer ruhigen Minute und nicht zwischen zwei Stühlen – lohnt, darüber nachzudenken.

Mein Weg führt mich im Moment gerade im Zick-Zack-Kurs um diese beiden Teile herum, hinein und heraus. Das ist spannend und ungewöhnlich. Aber es ist es wert davon zu erzählen. Vielleicht inspiriert es andere, kreiert neue Ideen. Oder vielleicht zaubert es ein Lächeln auf Eure Lippen. Das alleine ist ein wunderbarer Grund, mehr davon zu berichten.

Sonja Lehmann

Lana – eine Hundeliebe schenkt Achtsamkeit

lanainstagrammIch bin hier….

Sie stand hinten links, mit dem schmalen Rücken an die Außenwand des Holzverschlags gedrückt und klopfte ganz zart mit dem noch etwas zerzausten Schwanz an die rauen, verwitterten Bretter. All ihre Geschwister waren bereits zur halbhohen Klapptür geprescht , drängelten und schubsten sich gegenseitig nach vorne und veranstalteten einen ordentlichen Rabatz, um auf sich aufmerksam zu machen. Lana hingegen bliebt wie angewurzelt dort hinten stehen und schaffte es alleine durch ihren Blick, dass ich wie gebannt auf genau diesen Hundewelpen starrte. „Den da hinten will ich“, sprudelte es mir heraus, ohne zu wissen ob nun ausgerechnet dieser Hund wirklich ein Weibchen war, was ich mir immer gewünscht hatte, ob er schon vergeben war oder ob es sonst einen Einwand geben könnte. „Des is aber a Krückerl, nimm doch lieber den da,“ entgegnete mir der Züchter vehement und zeigte auf einen deutlich größeren Welpen, der Marke „Hier bin ich und ich bin der Chef“, „die da hinten hat`s gerade noch so geschafft, sie ist die letzte von elf Hundewelpen, die ihre Mutter zur Welt brachte und schwächelte schon, da war sie kaum ein paar Minuten auf der Welt. Wahrscheinlich wäre sie in der Natur sowieso gleich eingegangen“, ergänzte er schonungslos ehrlich. „Und genau deswegen muss sie jetzt zu uns“, erwiderte ich trotzig und achselzuckend stieg er über die Schwingtür, zog eine kleine Haushaltsschere aus seiner blauen Latzhose und schnitt einen ordentlichen Haarbüschel hinter dem Ohr ab. Er ging auf Lana zu, die sich, jetzt deutlich noch mehr verschüchtert an die Wand drückte, hob sie mürrisch hoch, zeigte sie mir nochmal von allen Seiten und sagte:“ Also von mir aus, hier stecken`s die Haare ein. Die können Sie schon mal mitnehmen, dann ham´s was zum Hinschnuppern bis Sie in 2 Wochen den Hund abholen. Ich weiß dann schon, dass es der sein soll aber ob`s da wirklich so a Freid ham…aber mir isses ja egal. Hauptsache, Sie zahlen bei Abholung.“

Nimm mich mit…

Ich nahm Lanas Haarbüschel, steckte es vorsichtig in meine Jackentasche und nickte. „Ja klar, ich hole den Hund in 14 Tagen ab. Passen Sie gut auf ihn auf“, ergänzte ich noch. Ich versuchte Lana doch noch zu mir an den Verschlag zu locken aber vorsichtig wie sie bis heute noch ist, blieb sie unbeirrt stehen, wandte den Blick aber keine einzige Sekunde von mir ab. So als wollte sie mir zu verstehen geben, dass es jetzt eine abgemachte Sache sei und sie nur die nächsten beiden Wochen absitzen musste, Kraft tanken wollte, dann würde alles gut werden. Ich nickte ihr zu und dachte:“ Hey, das schaffst Du! Ich hole Dich bald ab, dann gehts ab zu uns nach Hause und Du wirst ein warmes, sicheres Plätzchen haben und Menschen finden, die Dich als ein neues Familienmitglied aufnehmen und beschützen werden.“

Die nächsten Tage vergingen mit den letzten Vorbereitungen für Lanas Einzug wie im Flug und gleichzeitig wuchs die Aufregung, sie endlich nach Hause zu holen. Die Hundehaare hatte ich in eine kleine Glasdose gelegt und ab und zu schnupperte ich daran, um auf keinen Fall zu vergessen, dass es bald eine neue Hunde-Wirklichkeit geben würde. An einem sonnigen Wochenende im Herbst war es dann soweit! Nach einer gut 2-stündigen Autofahrt, die mich auf kurvigen Straßen tief in den bayrischen Wald führte, kam ich endlich beim Züchter an. Als dann die Formalitäten erledigt waren, legte ich dem schmalen, kleinen Hundehals sein erstes Halsband an. Es war leuchtend rot und bot einen tollen Kontrast zum pechschwarzen Fell. Ein bisschen groß war es vielleicht noch aber das würde sich ja bald geben. Lana stand mit zittrigen Beinchen vor uns, allerdings spürte sie genau, dass jetzt wohl endgültig der Abschied von ihren Geschwistern bevorstand und sie den Holzstadl verlassen durfte. Sie hatte es sich mittlerweile schwanzwedelnd zwischen meinen Beinen gemütlich gemacht hatte, so als wollte sie darunter Schutz suchen und versichern, dass die Entscheidung nun getroffen und gut war. Lana gehörte ab sofort zu mir!

Ich hob sie hoch und ein kuschliges Hundebaby schmiegte sich in meine Arme und begann meinen Handrücken genussvoll mit der warmen Zunge abzuschlecken. Menschen, die Hunde lediglich als Flohtaxis und Schmutzschleuder bezeichnen, werden niemals in den Genuss kommen, diese Vertrautheit zwischen Mensch und Tier zu erkennen. Wie dankbar war ich, den kleinen weichen Körper unter den noch hervorstehenden Rippenbögen zu spüren, das pochende Herz zu fühlen und das Gefühl zu erleben, wie sich der Körper eines Lebewesens entspannt, wenn zärtliche und beruhigende Streicheleinheiten diesen liebkosen. Lana kringelte sich in ein Frotteehandtuch, das ich vorsichtshalber auf meinem Schoß ausgebreitet hatte, tat einen tiefen „Schnaufer“ wie man in Bayern sagt, schloss ihre Augen und rührte sich während der zweistündigen Fahrt keinen Millimeter. Ihr Bäuchlein hob und senkte sich, grenzenloses Vertrauen und der untrügliche Schluss, dass nun alles gut werden würde, versetzten sie in einen tiefen Schlaf, aus dem sie erst wieder erwachte, als wir den Motor des Autos vor unserer Garage abstellten. Ich öffnete vorsichtig die Autotür, hob sie heraus und ließ sie über unser Pflaster tappen. Ausgiebig schnupperte sie über den Boden ihrer neuen Heimat und machte auf das kleine Rasenstück vor der Eingangstüre eine kleine gelbe Pfütze, sozusagen als Einstand und Manifestation zum Thema „ich bin die Lana und hier bin ich daheim!“

Ich ziehe bei Dir ein…

Die nächsten Tage und Wochen vergingen wie im Flug. Die Zeit, die ich mir für unseren Neuankömmling nahm, zahlte sich aus und schuf eine Basis, die Hundeprofis wohl als wichtige Prägungsphase bezeichnen. Sicherlich hilfreich war die Tatsache, dass der Grundcharakter des Hundes als überaus familientauglich und menschenbezogen zu bezeichnen ist. Niemals machte Lana etwas kaputt oder zerbiss Schuhe, Tapetenwände, Kissen oder ähnliches, wie es oft bei anderen Welpenbesitzern zu hören ist. Mit einem Urvertrauen in uns, wartete sie schon von Anfang an geduldig, wenn der Menschenfreund für eine gewisse Zeit das Haus verließ oder in einem anderen Zimmer zu tun hatte. Einen gigantisch großen Gleichmut legte Lana dann an den Tag, wenn es darum ging, gut gemeinte Tätscheleien und oft auch ungelenkes Streicheln von Kindern zu ertragen, sei es weil neugieriger Besuch bei uns war oder auf der Straße die Passanten in ein hysterisches „Mein, ist der Süß! Darf ich den streicheln ?“  die Hand nicht von ihr lassen konnte. Niemals schnappte sie nach Händen oder Fingern, allerdings lernte ich bald ihr Verhalten zu lesen, wenn es einfach zuviel wurde. Sie wand sich unter kraulenden Händen, rettete sich wie bei unserer ersten Begegnung zwischen meine Beine oder verließ einfach das Zimmer, wenn ihr die Gefühsbezeigungen zuviel wurden. Kein Bellen oder Knurren wurden als Abschreckung eingesetzt, im Gegenteil. Ich war beim Napfeinfüllen für Ihr Abendessen als sie schwanzwedelnd und etwa 3 Monate alt, neben mir in der Küche stand. Plötzlich kam ein Geräusch von unten, dass zunächst Ähnlichkeit mit einem Hustenanfall hatte. Aber nein ! Es war Lanas erster Bellversuch! Selbst zutiefst erschrocken, was da ihrem Mäulchen entfleuchte, probierte sie es weitere ein, zwei Male. Und siehe da, wie bei einem Kind, das die ersten Worte versucht zu sprechen, gelang nach ein paar Anläufen ein schon recht ordentliches „Wuff“! Sichtlich erfreut über sich selbst, hakte Lana das Erlernte zunächst erst einmal ab, brachte es aber in den nächsten Wochen zur absoluten Professionalität, wenn es bei uns an der Haustür klingelte. Bis heute habe ich es nicht geschafft, diese Funktion umzulenken, beschloss aber über die Jahre, dass das auch nichts schaden könne, wenn bei Fremdklinglern ersteinmal drohendes Hundegebell zu hören ist. Dass das Tier sich eigentlich freut wie Bolle, weil Besuch kommt, kann man dann ja immer noch nach dem Öffnen der Tür vermitteln. Und die Tatsache, dass der Hund wohl eigentlich froh ist, wenn ihm niemand etwas tun will, muss man auch nicht an die große (Haus-)Glocke hängen…

Ich lebe mit Dir…

Alles in allem wuchsen wir in den folgenden Jahren immer enger zusammen. Die Freizeitgestaltung richtete sich nach möglichen Spazierwegen und spannenden Hundewiesen, lange Partynächte wurden in geselliges Beisammensein bei uns zu Hause verwandelt und das höchste Glück für unser neues Familienmitglied war, wenn sie einfach überall dabei sein durfte, was Dank ihrer unerschütterlichen Ruhe kein Problem war und ist. Mir wurde zunehmend bewusster, wie entspannend es ist, in der wenig wasserführenden Mangfall bei großer Hitze im Wasser und nicht am Ufer ein Stück zu laufen. Zu spüren, wie die Zehen eiskalt werden, wenn man sich nicht vom Fleck rührt, wie es jedoch wunderbar kribbelt, wenn man auf den kleinen Kieselsteinen ein Stück läuft. Was für ein wunderbares Gefühl es ist, sich die Füße erst am Sand trockenzulaufen und sich anschließend in der Wiese nebenan die Grashalme durch die Zehen zu ziehen. Wäre mein Lendenwirbel damit einverstanden, hätte ich über die Jahre auch versucht, mich auf den Rücken ins Gras zu legen und zwischen Maulwurfshügeln und Klee meinen Rücken zu schuppern. Ein tiefes Seufzen habe ich wieder schätzen gelernt, wenn einem die Sonne auf den Bauch scheint, die Augen im grellen Sonnenlicht zwinkern und die Lungen sich tief öffnen und ich die klaren Luftströme einatme, die in unserer wunderbaren Landschaft völlig kostenlos zu inhalieren sind. Die Natur zu spüren, egal ob an einem warmen Sommertag oder im Herbst mit den Füssen im gelbem Laub zu rascheln – all dies hat unser  Universum täglich im Angebot. Dies ganz bewusst LanaAutoanzunehmen, lernte ich vor allem in den Spaziergängen  mit Lana. Sogar das genüssliche Verspeisen eines Apfels, der gerade eben vom Baum gefallen war, teilte ich ab und zu mit unserem Hund. Wissenschaftler, Heilpraktiker und Ärzte empfehlen den regelmäßigen Kontakt mit der Natur, geschäftige Coaches bietet teure Naturseminare an , in denen wir genau dieses Erlebnis wieder erlernen sollen. Ein Hundebesitzer erhält dazu täglich die Chance immer neu. Aber auch „Danke“ zu sagen, für all die wunderbaren Dinge, die um uns herum existieren. Ausser vielleicht, wenn man nachts um drei Uhr bei Regen und acht Grad in die klammen Gummistiefel schlüpft, sich die gefütterte Jeansjacke des Ehemanns über den Pyjama zieht und mit klammen Fingern draussen in der einen Hand den Schirm und in der anderen die zu füllenden K…tüte hält, weil der Hund Durchfall hat. Dann braucht es was mehr Euphorie, dem nächtlichen Luftschnappen etwas Positives abzugewinnen. Aber nichts desto trotz hat es etwas Wunderbares, dann die eiskalten Füße bei der Rückkehr ins Bett dem Ehemann zwischen seine Waden zu schieben, damit auch er noch etwas von der gesunden Nachtluft hat….

Was wirklich wichtig ist…

In den Medien ist das Thema Achtsamkeit sich und anderen gegenüber, zur Zeit sehr präsent. Wenn man aber täglich mit dem treusten Freund an seiner Seite durchs Leben geht, bedeutet es die Grundlage für ein wunderbares Miteinander, das immer und immer wieder neu fordert, sich selbst zurückzunehmen, zu reflektieren wo die wirklich wichtigen Dinge passieren. Wie oft verletzt man, vielleicht auch unwissentlich, andere Menschen, schiebt Ausreden vor, um unangenehmen Terminen  auszuweichen und lehnt Einladungen ab ohne genau zu wissen, was man daraus lernen könnte. Das uneingeschränkte Vertrauen meines Hundes hat mich gelehrt ehrlich und neugierig immer wieder meine eigenen Befindlichkeiten zu hinterfragen, auf Menschen zuzugehen und sich zu öffnen für Neues. Erst das Wissen, mit sich selbst im Reinen zu sein, schafft die Voraussetzung Dankbarkeit und Liebe zu erfahren. Ich schöpfe daraus Kraft bei täglichen Kleinigkeiten aber ganz genauso bei anspruchsvollen Herausforderungen, die das Leben für einen bereithält. Bereits die beschriebene erste Kommunikation mit meinem Hund leitete mich an, gute Gedanken und  liebevolle Wünsche auszusenden, positiv zu denken und damit diese Kraft auf andere zu übertragen, getreu dem Motto der Resonanz, dass alles, was man aussendet, zu einem zurückkehrt.

Lana-PorträtAls Lana jeweils zweimal nach großen lebensbedrohenden Operationen kurz davorstand, über die Regenbogenbrücke zu gehen, versuchte ich mit all meiner Kraft, ihr genau diese positiven Schwingungen zu senden. Das Vertrauen in die Professionalität der Tierärztin bezweifelte ich keineswegs aber als mir nach den Anruf der Praxis vermittelt wurde, dass es durchaus eine sehr kritische Situation war, machte ich mich auf den Weg und verbrachte Stunden neben meinem Hund. Schlapp und mutlos hing sie an einer Infusionsflasche, schaffte es kaum den Kopf zu heben, nur ein leises Klopfen mit dem Schwanz, zeigte mir, dass sie froh war, dass ich da war. Ich tat in den folgenden Stunden nichts anderes als einfach nur bei ihr zu sein, beruhigend zu streicheln und sie immer wieder zu bestärken, dass alles gut werden würde. Diesen Juli feierte sie ihren 10. Hundegeburtstag, völlig entspannt und glücklich, sich die Sonne auf ihr operiertes Beinchen und auf den Bauch scheinen zu lassen, den nun eine 15cm lange Narbe ziert.

Wie geht es weiter…

Lanas Hundeliebe wurde mir als ein kleiner Teil des großen Universums geschenkt. Dankbar arbeite ich weiter an mir, Achtsamkeit als Lebensmotto täglich neu zu manifestieren. Und dass treue Hundeliebe nur ein Vorbote der großen Liebe meines Lebens war und ist, ist ebenso unglaublich wie spannend  -aber das ist eine andere Geschichte….

Sonja Lehmann

La Piazza Magica

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Nimmt man das Flugzeug in Richtung italienische Stiefelspitze, kann man bei klarem Wetter vor der Landung einen kurzen Blick auf die kleinen Häuser werfen, die dichtgedrängt auf einem Felsen thronen, der an zwei Seiten steil zum Meer hin abfällt. Mit dem Auto geht die Reise anschließend auf der kurvigen Landstraße weiter, die hoch oben über der Küste entlangführt. Nach ungefähr einer Stunde, erscheint dann die mächtige Festung der „magischen Stadt“. Der erste Blick fällt auf einen mächtigen Torbogen, der geradeaus in das Centro führt. Hier biegen die meisten Besucher ab, obwohl ihr ursprüngliches Ziel viel weiter im Süden liegt. Wie von ferner Kraft gesteuert, verlassen sie den eigentlichen Weg und tauchen ein in die wunderliche Welt der Città Magica. Der Duft von Thymian und Rosmarin liegt in der Luft, weitläufige Olivenhaine vervollkommnen das klassische Bild des europäischen Südens. Und doch – irgendetwas unterscheidet dieses Städtchen von all den anderen, die sonst zum Touristenmagneten werden.

Folgt man dem seit vielen Jahrhunderten befahrenen Kopfsteinpflaster und schlendert an den terracotta farbenden Häuserfassaden entlang, passiert man weitere Eingänge und geheimnisvolle Torbögen. Gehäkelte Vorhänge an den Fenstern lassen nur ab und zu einen kleinen Blick in die winzigen Zimmer zu. Bunt bedruckte Bambusvorhänge vor den Terrassentüren rascheln im Wind, ab und zu dröhnt ein Lautsprecher eines Radios oder Fernsehsenders. Je nach Uhrzeit und Bewohner duftet es nach Knoblauch, gebratenem Fisch und gegrilltem Fleisch.

Mitten im Zentrum liegt die kleine Piazza, die sich, wie so oft in Italien direkt vor der Kirche befindet. Kinder aller Altersgruppen treffen sich hier um zu spielen, Eis zu essen und viel Spaß miteinander zu haben. Der Tradition folgend, betrachten alle Generationen des Ortes diesen Treffpunkt als eine Art erweitertes Wohnzimmer, das sie als Nachrichtenbörse und Vermittlungsbüro nutzen. Folgt man dem Weg über die Piazza und der Stichstraße in Richtung Meer, endet der Weg an einem kleinen quadratischen Platz, den seitlich zwei hohe, mehrstöckige Villen begrenzen. In Richtung Westen bietet ein schmiedeisernes Geländer Schutz, um nicht in die Tiefe zu stürzen. Ein atemberaubendes Panorama liegt vor dem Betrachter, das weit über das türkisblaue Wasser hinausgeht, dessen Wellen meist sanft an die unten liegende Bucht plätschern. Am Horizont erkennt man einen Vulkan, aus dessen Kegel graue Rauchschwaden in die Luft steigen. Als würde die Erde hier mit dem in etwa zwei Bootsstunden entfernten Berg korrespondieren und wichtige Nachrichten austauschen, liegt mehr als nur ein salziger Geruch in der Luft.

Seit einigen Jahren kommen immer mehr verliebte Paare hierher, um sich vor der berauschenden Kulisse das Jawort zu geben. Auch an diesem heißen Juniwochenende im vergangenen Jahr, schlenderte eine junge hübsche Frau und ihr Freund durch die Altstadt und prüften nochmals all jene Plätze und Kulissen, an denen sie am folgenden Tag nach der Trauung ihre Fotos machen wollten. Chiara, so hieß das Mädchen, konnte sich nicht satt sehen an all den Mauern und Winkeln, ehrwürdigen Fassaden und blumenbepflanzten Eingängen. Da ihr eine Entscheidung aber schwer fiel, bog sie immer wieder weiter um eine nächste Hausecke und in eine andere Gasse, um auf gar keinen Fall einen noch schöneren Platz zu übersehen. Sie war so schnell verschwunden, dass ihr Freund Toni nach nur einem kurzen Blick auf die Speisekarte eines Restaurants, sich erstaunt umsah, wo sie geblieben war. Er rief laut ihren Namen, kehrte zu der Stelle zurück, wo sie eine alte Dame gegrüßt hatten, die gebückt und ganz in schwarz gekleidet, völlig in sich vertieft vor einem Hauseingang saß. Aber es war nichts von ihr zu sehen und eine Antwort blieb ebenfalls aus. Toni wartete einen Moment, dann lief er weiter. „Sie wird zurück ins Hotel gelaufen sein“, murmelte er und schlug die Richtung dahin ein. Ein dumpfes Grollen war nun plötzlich vom Meer her zu hören, das ihn zunächst an ein Gewitter denken ließ. Aber die Sonne schien weiterhin, keine Wolke war am Himmel zu sehen. Er stutzte kurz, ging aber weiter als ein neues tiefes Grummen heranrollte. Zwischen zwei Häuserfronten konnte er auf das Meer sehen, das sich nun schlagartig von türkisblau in ein zunächst geheimnisvolles Dunkel-, dann tiefes Nachtblau und nach ein paar Momenten in ein bedrohliches Grauschwarz verwandelte. Windböen kamen auf und aus den sanften Wellen vom Morgen wurden Gischt schäumende, meterhohe Brecher – so als hätte sich das Wasser verschluckt und wolle mit großer Gewalt den Brocken wieder ausspucken. Der Himmel verfinsterte sich sekundenschnell und kräftige Windböen zerrten an seinen Haaren. „Das ist mehr als unheimlich“ rief er und blieb erschrocken stehen, denn die zunächst eingeschlagene Richtung, die zum Hotel führen sollte, endete an einer steinernen Treppe, die in vielen ausgetretenen Stufen mindestens 50 Meter nach oben führte. Toni drehte sich um und da war sie plötzlich wieder: die zahnlose alte Frau von vorhin stand vor ihm, grinste ihn an und nuschelte: „Il vulcano, il vulcano…avanti avanti“ und wies ihn an, die Stufen zu nehmen und nach oben zu laufen. „Vai vai“ rief sie und ihr gekrümmter Zeigefinger zeigte ganz nach oben auf ein Haus mit vielen dunkelgrünen Fensterläden, von den die meisten verriegelt waren. Toni lief los. Die ersten Stufen waren flach und ganz glatt. So gewann er schnell an Höhe aber nach ein paar Kurven wurden sie uneben, waren mit Gras und Disteln bewachsen, so dass er genau aufpassen musste, wohin er trat. Der Wind nahm an Stärke zu und als er etwa die Hälfte der Treppe geschafft hatte, befand er sich oberhalb der meisten Häuser des Ortes und der Blick auf den Vulkan und das Meer war völlig frei. Zum Sturm und dem mittlerweile tosendem Wind, gesellte sich nun ein grelles Blitzen an der Spitze des Berges. Rote, gelbe und orangefarbene Lavabrocken wurde aus dem Krater weit in den Himmel gespuckt und fielen dann zischend und dampfend ins Meer.

Stufe für Stufe emporlaufend, keuchend und schwitzend, erreichte er schließlich den kleinen Platz am Ende der Stiege. Salzige Schweissperlen liefen ihm von der Stirn in sein Gesicht, das Hemd klebte am Rücken und die nackten Füße, die in einfachen Flipflops steckten, waren blutig, zerschunden von den rauhen Treppenabsätzen und den stachligen Disteln am Weg. Er wischte sich mit dem Unterarm über das Gesicht und hielt Ausschau nach Chiara. Laut rief er mehrmals ihren Namen, jedoch ohne Erfolg. Die kleinen Villen an Rande der Piazza waren scheinbar unbewohnt und nach Luft schnappend,lehnte er sich an eine Kanone, die noch aus Napoleons Zeiten stammte und mit dem schwarzen, glänzenden Rohr direkt aufs Meer und auf den Vulkan zielte. „Maria, wo bist du???“ schrie er nun verzweifelt als er plötzlich stutzte. Ein einziger Balkon in dem Haus mit dem grünen Fensterläden war nicht verschlossen. Die Holzläden waren ordentlich an der Seite eingehakt, dicke rote Geranien blühten in Tontöpfen an der Hauswand. Toni zwang sich ruhig zu atmen, denn ganz leise und noch undeutlich, hörte er Musik. Musik, die aus einer italienischen Oper stammte, die er mit Chiara erst vor ein paar Wochen besucht hatte. Die Töne wurden lauter, der Klang schwoll an und nach einigen Minuten trat ein Mann auf den Balkon. Er war sehr klein, trug eine schwarze Stoffhose, die ihn mit den silbernen Hosenträgern über dem weißen Unterhemd und seiner Zigarre im Mund, an einen Darsteller aus „Der Pate“ erinnerte. Der Mann trat einen Schritt vor zum Geländer, fuhr sich mit einem Kamm durch die vollen weißen Haare und paffte genüsslich eine Zigarre. Scheinbar drehte im Zimmer jemand den Ton noch lauter, denn der Alte begann die rechte Hand hochzunehmen und die Zigarre zum Taktstock umzufunktionieren. Gewaltige Ouvertüren schallten über den Platz und Toni starrte fassungslos hinüber. Fast zeitgleich mit Beginn der Musik, ließ der Sturm nach, das Meer beruhigte sich, der Vulkan war nur noch als grauer, etwas unscharfer Kegel zu erkennen. Der Spuk war vorbei. Nach und nach öffneten sich in den anderen Stockwerken ebenfalls die Fensterläden, Frauen begannen Wäsche aufzuhängen, Katzen schlichen heraus, um sich in der warmen Sonne zu räkeln. Die Musik von gegenüber jedoch spielte weiter und der alte Herr nahm schließlich auf einem kleinen wackligen Hocker Platz, schloß die Augen und hörte entspannt dem musikalischen Kunstwerk zu, ab und zu an seiner Zigarre paffend. Toni setzte sich auf die grün gestrichene Bank neben die Kanone, lehnte sich an und legte den Kopf in den Nacken.

Eine zart nach Zitrone riechende Hand legte sich plötzlich von hinten über seine Augen, die zweite streichelte sanft über seine verschwitzte Stirn. „Hier sitzt Du also in aller Ruhe, während ich mich um die ausgefallensten Fotomotive kümmere“, sagte Chiara hinter ihm. „Du warst auf einmal weg. Um den Überblick zu bekommen und Dich eventuell von oben zu entdecken, bin ich hierher hinaufgelaufen.“ Chiara ging erstaunt um die Bank herum und setzte sich neben ihn. Den Kopf an seine Schulter gelehnt, murmelte sie: „Ich war kurz auf dem Friedhof neben der Kirche als ich auf einem kleinen Grabstein ein Foto eines Ehepaares entdeckte. Sie waren über siebzig Jahre verheiratet. Er war Operndirigent, sie Künstlerin. Sie arbeitete mit den schwarzen Lavasteinen, die das Meer immer wieder bei Sturm an Land spült und gemeinsam lebten sie ein sehr glückliches und langes Leben. So stand es auf einer kleinen Inschrift neben dem Grabstein. Eine eigenartige Schwingung ging davon aus, deshalb war ich etwas länger weg als ich zunächst wollte“, sprudelte es aus Chiara heraus. „Was hast Du in der Zwischenzeit gemacht? Pause, oder was ?“ fragte sie neugierig.

„So ähnlich“, antwortete Toni. „Ich konnte kurz in die Ewigkeit des Universums blicken – und dabei durfte ich beinahe Deine Hand halten. Aber letztendlich muss es wohl ein ganz wunderbares Zeichen gewesen sein, dass wir den richtigen Platz gefunden haben.“

Chiaras und Tonis Hochzeit fand am nächsten Tag bei azurblauem Himmel und strahlendem Sonnenschein statt – nur ein einziges Mal hörte man weit entfernt ein leises Grollen – aber das war nur die Begleitung zu einem wunderschönen Musikstück aus einer sehr berühmten italienischen Oper…

Sonja Lehmann

Glück durch Urvertrauen

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Irgendwo im Süden Afrikas…Beim Einsteigen in einen öffentlichen Bus quetsche ich mich an den verschiedensten Mitfahrern vorbei. Bunt gemischt drängen sich Männer und Frauen, Kinder, Studenten und Besucher aus aller Welt. Sie spiegeln besser als jedes Lexikon die Verschiedenheit dieses Landes wieder, repräsentieren in realen Personen dessen immense Vielfältigkeit. Fasziniert beobachte ich eine Frau, die ihr Kleinkind auf dem Rücken trägt, fest verzurrt mit einem farbenfrohen lila Tuch. Sie hatte sich durch das Gedränge bereits ein Stück weit in Richtung Türe gekämpft und wartete nun anscheinend auf den nächsten Stopp, um auszusteigen und wieder in ihre eigene Welt einzutauchen. Mein Blick haftet an ihrem kleinen Baby, das geborgen und sicher am Rücken liegt. Der Körperkontakt zur Mutter, die direkte Übertragung der Atemzüge und der ihm seit der Geburt vertraute Geruch, erschaffen eine Art Kokon, in dem das Kleine sicher und mit all seinen Sinnen mit der Frau verbunden ist. Ein neugieriger kurzer Blick aus den großen dunklen Augen begegnet mir, bevor nach einem tiefen Seufzen der kleine linke Daumen kurz in den Mund wandert. Nach ein paar Minuten entspanntem Nuckelns, übermannt der Schlaf das Kind und es merkt nicht einmal mehr das ruckartige Bremsen vor der nächsten Haltestelle.

Einmal mehr frage ich mich ob wir uns hier in unserer scheinbar so perfekten Welt nicht viel mehr wieder auf den wahr-„haft“-igen Kontakt zu anderen Menschen besinnen sollten. Eine kleine Geste echter Aufmerksamkeit, ein freundliches Berühren am Arm oder eine herzliche Umarmung lassen uns wirklich spüren, dass man nicht alleine ist. Die Zuversicht jemandem nah zu sein und das Wissen, dass das Herz des anderen für Dich schlägt ist heilsam und macht stark. Da wäre ein bisschen mehr „Afrika-Feeling“ oft einfacher und leichter zu vermitteln als es die oft schwierige Suche nach echter Wärme in unserer westlichen europäischen Welt ist.

Sonja Lehmann

Seelensonne schenkt Kraft

Die Sonne versinkt  Zentimeter für Zentimeter hinter einer Sanddüne. Mit dem Farbspiel in zarten Rosétönen fällt ein letztes warmes Licht auf die Landschaft und begleitet den Vorgang, der sich Tag für Tag wiederholt. Es ist die unendliche Geschichte von Aufstieg und Niedergang, von Wachstum und Reduktion.

 

Wie perfekt hat es die Natur eingerichtet! Der Tag beginnt mit einem leichten Schimmer am nachtschwarzen Himmel. Zart zeichnet sich durch das Aufgehen der Sonne zunächst ein kleines Licht, später dann gleissende Helligkeit ab. Der gegengleiche Vorgang am Ende eines Tages bringt den Kreislauf zum erwarteten Finale. Ein hoffentlich niemals endendes Schauspiel nimmt seinen Lauf. Allein das Bewusstsein, dass die Natur dieses einzigartige Lebensrad seit Urzeiten vorgibt, erfüllt den Menschen in seiner Ursprünglichkeit mit Sicherheit und Zuversicht. Die Stunden zwischen Tag und Nacht füllen sich mit Leben, mit Arbeit aber auch mit all jenen Dingen, die sich der Mensch zusätzlich erschaffen und integriert hat. Tägliches Streben, den Tagesablauf mit all den inzwischen so wichtigen Terminen abzuhaken und die Aufgaben für den neuen Tag festzulegen, bezeichnen wir als Lebensinhalte. Doch mehr und mehr Menschen fühlen sich davon überfordert, werden im Extremfall krank.

Es fehlt im Kalender wichtige Zeit, um Luft zu holen. Wir hetzen durch den Tag als gäbe es kein Morgen mehr und spüren doch, dass es schwieriger wird, allem gerecht zu werden. Der Familie, dem Arbeitgeber aber vor allen Dingen – sich selbst. Innehalten, das „Ich“ spüren, den Kopf in den Nacken legen und die Wolken am Himmel ziehen sehen – diese Inhalte sind selten geworden.

Wir haben oft verlernt, Stress im Alltag in gesunde Bahnen zu lenken. Sogenannte Frei-Zeit bedeutet  in der Umsetzung häufig, sich n i c h t  den vielfältigen Angeboten der Natur anzunehmen, um neue Kraft zu tanken, sondern ist geprägt von zusätzlichem Ansporn und Ehrgeiz an sich selbst. Hilfe findet man in der bewussten Wahrnehmung, dass die Natur mit all ihren Wundern ebenso ein Element des Lebensrades ist wie wir. Ein Teil des Ganzen, das uns formt und facettenreich leben lässt. Das jedoch die sicheren Umdrehungen nur dann erreicht, wenn die einzelnen Bauteile im Einklang stehen.

Nutzen wir wieder die Möglichkeiten, die kleinen Dinge im Leben zu sehen. Sie sind es, die uns Herzenswärme und Zuversicht geben. Unvergessliche, positiv geprägte Eindrücke für die Seele vermitteln neue Lebenskraft und verhelfen dem  Körper zu effektiver Regeneration in Ruhezeiten und aktiven Phasen.

 

Sonja Lehmann